Partnerschaft verbindet, Partnerschaft bildet

50-jähriges Partnerschaftsjubiläum zwischen Admont und Pohlheim fand Corona bedingt um ein Jahr verspätet bei Kaiserwetter in der Steiermark statt – 90 Personen hellauf begeistert vom fünftägigen Programm –Hau mer uns in Schale die Mollys sind dabei
Bericht von Jürgen Schu

Fast auf den Tag genau um ein Jahr Corona bedingt verspätet, fand am vergan-genen Samstag in der Steiermark der Festabend mit Jubiläumsfeier anlässlich der 50-jährigen Partnerschaft zwischen der Marktgemeinde Admont und Pohlheim statt, zu der die Pohlheimer in zwei Bussen anreisten. Mit dabei war die Gesangs-gruppe „Mollys“ des gleichnamigen CV-1956 Watzenborn-Steinberg, die bereits 1990 beim 20-jährigen Partnerschaftsbestehen mit ihrem damaligen und heutigen Auftritt für Furore sorgten. Zur 90-köpfigen Delegation gehörten auch vier Personen aus Pohlheims sächsischer Partnerstadt Strehla (darunter Bürger-meister Jörg Jeromin) sowie zwei Vertreter aus der ungarischen Partnerstadt Zirc. Während der Aufenthaltstage herrschte in Admont ein Traumwetter mit strahlen-dem Sonnenschein und ringsum verschneiten Bergspitzen. Traumkulisse und Märchenlandschaft zugleich für ein derartiges Ereignis, das allen, die dabei gewesen waren, noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Hinzu kommt die liebevolle und herzliche Begleitung von Admonter Seite an allen Tagen, allen voran von Bürgermeister Christian Haider und seinen beiden Vizebürgermeistern Mag. Katrin Laubichler und Johannes Scheiblehner. Öfters zu sehen war auch Günther Posch, Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger von Admont sowie Träger der goldenen Verdienstmedaille der Stadt Pohlheim.
Das von der EU geförderte Partner- schaftstreffen stand unter dem Thema „Voneinander lernen – miteinander handeln in unserer Partnerschaft – für das „Europa der Bürger“ und diente insbesondere der Intensivierung des partnerschaftlichen Gedankens zwischen den Kommunen Pohlheim, Admont, Strehla und Zirc und deren Bürger/innen. Zum kurzweiligen und hoch interes-santem Programm, das in enger Abstimmung mit den Partnergemeinden und der Europäischen Union erarbeitet wurde, gehörten neben dem begeisternden Festabend eine durch die Ranger Elke Pichler und Gerline Wonaschütz geführte fachkundige Panoramarund- fahrt durch das Gesäuse, bei der den Reiseteilneh-mern nicht nur die Erfolgsgeschichte des Nationalparks nähergebracht, sondern auch der Weidendom (mit seinem begehbaren ökologischen Fußabdruck und den Themenwege) und das Weltkulturerbe „Bergsteigerfriedhof“ in Johnsbach, die traurige Kehrseite der touristischen Erschließung besucht wurde sowie darauf eine gemeinsame Bilderausstellung der Adolf-Reichwein-Schule Pohlheim, der Volks- und Mittelschule Admont sowie den Zircer Schulen Reguly Antal Német Nemzetiségi und dem III. Béla Gimnázium, Müvèszeti Szakgimnazium és Alapfokú. Unter großer Beteiligung der Pohlheimer Delegation und der Admonter Bevölkerung wurde vor dem Festabend in der Mittelschule Admont durch Direktorin Silvia Jetz und den beiden Bürgermeistern Christian Haider (Admont) und Andreas Ruck (Pohlheim) die Ausstellung eröffnet. Zu den Rednern gehörten auch Jakob Ernst Kandel (Vorsitzender Partner- schaftsverein) und Klaus-Dieter Gimbel, der lobende Worte an die jungen Künstler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 des unter dem Motto „Meine Heimat in einem geeinten Europa“ stehenden Malwettbewerbes richtete. Diese hatten sich in den Wochen zuvor mit dieser wichtigen, aber durchaus nicht einfachen und leichten Thematik, künstlerisch und gestaltend auseinandergesetzt. Ab 23. November wird die Bilderausstellung im Rahmen von „Kunst im Rathaus Pohlheim“ auch in der Limesstadt zu sehen sein. Ein paar Tage zuvor bringen Admonts Bürgermeister Christian Haider und 1. Vizebürgermeisterin Mag. Katrin Laubichler persönlich die Bilder nach Pohlheim und machen gleichzeitig in der Partnerstadt ihren Antrittsbesuch.
Ein weiterer interessanter Punkt war im Anschluss eines Rundganges durch den Ort die geführte Besichtigung der Feuerwehr sowie der Einsatzzentrale der Bergrettung. Fachliche Gespräche mit Dirk Reitschmidt (Feuerwehr Watzenorn-Steinberg) und seinen Admonter Kollegen durften dabei nicht fehlen.
Absoluter Höhepunkt war zweifellos der festliche Rahmen der   begeisterten, unterhaltsamen und kurzweiligen Jubiläumsveranstaltung im Volkshaus, unweit gelegen vom Hotel Spirodom, in dem die Vertreter der Partnerschaftsgemeinden für die Dauer des Aufenthaltes untergebracht waren. Dabei achteten alle Redner bei dem wunderbaren Abend darauf, dass die Ansprachen kurzgehalten wurden, damit für die Unterhaltung und Gespräche mehr Zeit zur Verfügung stand. Bürger-meister Haider (39 Jahre) anmaßte sich nicht, über die Anfänge der Partnerschaft zu sprechen. Er hob die Gründlichkeit und Genauigkeit der Pohlheimer hervor, die bereits im Jahre 2019 das Programm mit der Reise im Detail ausgearbeitet hatten. In den vergangenen zwei Jahren, seitdem er Bürgermeister ist, sei er mit den Pohlheimer Personen, die er nicht jeden Tag trifft, so zusammengewachsen, dass daraus eine Freundschaft geworden ist, die mit viel Herzlichkeit gepaart ist.  Den Pohlheimer Organisatoren des Partner- schaftstreffen mit Jubiläumsfeier, zu denen Walter Damasky, Jakob Ernst Kandel, Klaus-Dieter Gimbel und Jürgen Schu gehörten, dankte er mit einem Jausenpaket aus dem Stift Admont.
„50 Jahre Partnerschaft zwischen Admont und der Limesstadt  Pohlheim, eine lange Zeit, die auch deshalb lebendig bleibt, weil sich Menschen darin wieder-finden können, einander verstehen und den Gedanken weitergeben“, wie Pohlheims Neu-Bürgermeister Andreas Ruck betonte und sich freute, dass sich unter dem Motto „Voneinander lernen – Miteinander handeln in unserer Partnerschaft – für das „Europa der Bürger“ auch Freunde aus den Partner-städten Strehla und Zirc angeschlossen haben, denn so funktioniere wahre Bürgerbegegnung. Auch wenn die Unterschriften auf der Partnerschaftsurkunde nach 50 Jahren verblasst sind, für die Zukunft in dieser Partner- und Freund-schaft wird es noch viele weitere Jahre geben, so Pohlheims Stadtoberhaupt. Grußworte sprachen auch Jakob Ernst Kandel (Vorsitzender des Partnerschafts-verein Pohlheim), Bürgermeister Jörg Jeromin (Strehla) und Dr. Imre Buda (Partnerschaftsverein Zirc). Bedauert wurde, das die österreichische Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Simone Schmiedtbauer, die über Europas Zukunft referieren wollte, wegen Krankheit kurz vorher absagen musste.
Großen Beifall erhielt Dr. Nikola Stumpf (Archivarin der Stadt Pohlheim) für ihren Festvortrag „50 Jahre Partnerschaft“. Dabei hob sie hervor, dass die Geschichte der beiden Gemeinden doch tatsächlich mit Adam und Eva im „Paradies“ begann. Dieses „Paradies“ war einst Erholungsheim in Admont. Namensgeber war eine gewisse Familie Adam und Herr Adam hatte zufällig eine Ehefrau namens Eva. Diese beiden wollten, der Tradition entsprechend, dem „Paradies“ entfliehen und verkauften das Anwesen dem Landkreis Gießen, der es den Bürgern als Erho-lungsheim und Skifreizeiten in den Bergen anbot.
Musik und Gesang darf in Pohlheim, der „Singenden Stadt“ insbesondere bei derartigen Anlässen nicht fehlen. Während die heimische Merzl-Klarinetten-Musi unter ihrem Chef Kurt Eibl mit vorwiegend gefälligen und gefühlvollen Klarinetten-Volksmusikstücke den Festabend umrahmte, sang Sopranistin Roswitha Seidler (Holzheim) mit Begleitung des Klarinetten-Quartett die Europahymne und glänzte mit prächtiger Stimme später mit Gesangsvorträgen aus der Welt der Operette.
Aus seiner Sicht ließ Kurt Eibl Revue passieren, war er erstmals 1972, ein Jahr nach Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde mit dem Musikverein Admont-Hall in Garbenteich und musizierte. Untergebracht war er seinerzeit bei den Eheleuten Dietrich und Herlinde Wirk (Garbenteich), die jetzt auch bei der Jubiläumsfeier in Admont mit dabei waren. Groß war deren Freude, denn man hatte sich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.
„Hau mer uns in Schale, nach Admont geht´s, wie fein. 50 Jahre Partnerschaft das muss gefeiert sein“, das war der Auftaktsong der legendären „Mollys“, die in Admont auch bestens bekannt und beliebt sind.  Extra für diese Jubiläumsfeier haben sich die „alten“ Mollys der Gesangsgruppe noch einmal reaktiviert und zusammengefunden und sich intensiv für ihren Auftritt in Admont mit ihrem musikalischen Leiter Dieter Schäfer vorbereitet. In ihrem ersten Block brachten sie mit „Veronika und andere Hühner und Girls“ Lieder der Comedians zu Gehör, während es beim zweiten unter dem Thema „Drum schmeckt uns das Helle so gut“ stehenden Bühnenauftritt vom Bier über den Tango zum K.u.K. Infanterie-Regiment ging.  Mit stehenden Ovationen und Begeisterungstürme wurden die Akteure Joni Ensle, Jörg Buß, Dieter Grünfelder, Frank Oliver Weiss, Holger Reitschmidt, Wolfgang Haas, Jörg Schmandt, Roger Burger, Gerhold Häuser und Dieter Schäfer bejubelt. Sie rissen mit ihren Stimmen auch die Admonter förmlich von den Stühlen.
Zu den weiteren Highlights der Partnerschaftsreise gehörten der unter dem Stern „50 Jahre Partnerschaft“ stehende sonntägliche Gottesdienst in der Stiftskirche mit Gerhard Hafner O.S.B., Abt des Benediktinerstifts und Pfarrer in Admont und Hall, bei dem die Ökumene sichtbar und spürbar wurde, denn der evangelische Theologe Prof. Dr. Helge Stadelmann (Dorf-Güll) im Talar teilte sich die Predigt mit dem katholischen Geistlichen. Abt Gerhard Hafner war die Freude anzusehen, den Festgottesdienst in ökumenischer Einheit und Besinnung zu feiern. Am Nachmittag wurde die weltberühmte Stiftsbibliothek und die Stiftischen Museen besichtigt bevor der Abend im Schloss Röthelstein mit Gesang der Mollys und erneuten Klängen der Merzl-Klarinetten-Musi ausklang. Am letzten Tag des Aufenthaltes in Österreich ging es über die steirische Weinstraße nach Slowenien ins Stifttische Weingut „Dveri Pax“, dem am Nachmittag ein Empfang der Steirischen Landesregierung im Landhaus in Graz folgte. Hier wurden die Partnerschaftsgäste aus Pohlheim und ihre Admonter Begleiter Christian Haider und Günther Posch einen Tag vor der Landtagssitzung im Plenarsaal von der Zweiten Landtagspräsidentin Gabriele Kolar empfangen, die in ihrer Rede deutlich machte, dass es nicht darum geht, für die EU Werbung zu machen, sondern deutlich zu machen, dass die EU nicht in Brüssel ist, sondern in Graz, Admont, Pohlheim und Zirc und die EU jeden Bürger und jede Bürgerin betrifft. Anschließend berichtete Alexander Pircher (Stellvertretender Landtagsdirektor) über die Geschichte des Landtages und des Hauses und stand für Fragen ebenso zur Verfügung wie Florian Eigletsberger (Öffentlichkeitsarbeit Landtagsdirek-tion). Voll des Lobes war dieses Partnertreffen mit der Jubiläumsfeier, bei der viele neue Freundschaften geschlossen und alte intensiviert wurden-